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Ratgeber · Für Unternehmen
Jemand hat geklickt. Und jetzt bloß keine Schuldfrage
Die meisten Vorfälle beginnen nicht mit einer technischen Lücke, sondern mit einer Mail, die echt aussah. Entscheidend ist, was in der nächsten Stunde passiert.
Eine Rechnung, die zu einem laufenden Vorgang passt. Eine Nachricht von der Chefin, kurz und dringend. Eine Paketbenachrichtigung an dem Tag, an dem man wirklich ein Paket erwartet. Gute Phishing-Mails sind nicht schlecht gemacht — sie sind erschreckend gut gemacht.
Deshalb ist der wichtigste Satz in diesem Artikel nicht technisch: Wer geklickt hat, muss sich melden können, ohne Ärger zu befürchten. Der Schaden entsteht in den Stunden, in denen jemand aus Scham schweigt.
Leistungen
Sofort, in dieser Reihenfolge
- Betroffenen Rechner vom Netzwerk trennen — Kabel ziehen, WLAN aus
- Nicht ausschalten, sonst gehen Spuren im Arbeitsspeicher verloren
- Kennwort des betroffenen Kontos von einem ANDEREN Gerät aus ändern
- Alle aktiven Anmeldungen des Kontos beenden, nicht nur das Kennwort tauschen
- Prüfen, ob im Postfach eine Weiterleitungsregel angelegt wurde
- Bank informieren, falls Zugangsdaten oder Zahlungen betroffen sein könnten
- Kolleginnen und Kollegen warnen — dieselbe Mail liegt meist bei mehreren
- Anrufen, nicht schreiben. Und nichts löschen
Die Weiterleitungsregel, an die niemand denkt
Wenn ein Postfach übernommen wird, ist der erste Schritt der Angreifer fast immer derselbe: eine Regel anlegen, die eingehende Nachrichten heimlich weiterleitet oder in einen selten geöffneten Ordner verschiebt. Damit lesen sie mit, auch nachdem Sie das Kennwort geändert haben.
Deshalb reicht ein neues Kennwort nicht. Man muss zusätzlich die Regeln im Postfach prüfen, alle aktiven Anmeldungen beenden und nachsehen, ob eine zusätzliche Authentifizierungsmethode hinterlegt wurde — etwa eine fremde Telefonnummer für die Zwei-Faktor-Anmeldung.
Genau dieser Punkt wird bei Selbsthilfe am häufigsten übersehen, und genau daran hängt, ob der Vorfall nach einem Tag vorbei ist oder wochenlang weiterläuft.
Woran man eine gefälschte Mail erkennt
Der zuverlässigste Hinweis ist nicht die Rechtschreibung — die stimmt inzwischen. Es ist die Kombination aus Dringlichkeit und einer Abweichung vom normalen Weg: Eine Zahlung, die heute noch raus muss. Eine geänderte Bankverbindung. Eine Bitte, etwas außerhalb des üblichen Ablaufs zu tun.
Technisch hilft der Blick auf die tatsächliche Absenderadresse, nicht auf den angezeigten Namen. Und bei Links: mit der Maus darüberfahren, ohne zu klicken — unten links zeigt der Browser das echte Ziel.
Die beste Regel bleibt aber organisatorisch: Bei allem, was Geld oder Zugangsdaten betrifft, wird auf einem zweiten Weg zurückgefragt. Ein Anruf unter der bekannten Nummer, nicht unter der aus der Mail.
Was wirklich hilft, bevor etwas passiert
Zwei-Faktor-Anmeldung. Wenn ein Kennwort allein nicht mehr reicht, läuft der Großteil der automatisierten Angriffe ins Leere. Das ist die wirksamste einzelne Maßnahme, und sie kostet zwei Sekunden je Anmeldung.
Getrennte Rechte. Niemand arbeitet täglich mit einem Konto, das alles darf. Wenn ein normales Benutzerkonto übernommen wird, ist der Schaden begrenzt.
Eine Sicherung, die nicht am Netz hängt. Weil der schlimmste Fall nicht das gelesene Postfach ist, sondern die verschlüsselte Dateiablage.
Und Schulung, die nicht aus einer Präsentation besteht, sondern aus echten Beispielen aus dem eigenen Postfach. Zehn Minuten in einer Teambesprechung wirken besser als eine Stunde Vortrag.
Wenn Sie unsicher sind, ob es ein Vorfall war: Melden Sie sich lieber einmal zu viel. Ein Fehlalarm kostet fünf Minuten am Telefon. Ein übersehener Vorfall kostet Wochen.
Häufige Fragen
Bevor Sie anrufen.
Wir haben nur geklickt, nichts eingegeben. Ist das schlimm?
Meist nicht, aber prüfen sollte man es trotzdem. Reines Öffnen einer Mail ist praktisch nie das Problem; ein Klick auf einen Link kann je nach Lücke im Browser reichen. Sicherheit gibt hier nur ein Blick auf das Gerät.
Sollen wir die Mail löschen?
Nein, behalten Sie sie. Sie enthält die Spuren, mit denen sich nachvollziehen lässt, was passiert ist und wer sonst noch betroffen sein könnte. Verschieben Sie sie in einen eigenen Ordner, statt sie zu löschen.
Müssen wir das melden?
Wenn personenbezogene Daten betroffen sein könnten, greift unter Umständen die Meldepflicht nach der DSGVO — mit einer Frist von 72 Stunden. Das ist keine Rechtsberatung; klären Sie es früh mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, statt es hinterher zu tun.
Hilft ein Virenschutz dagegen?
Er hilft, reicht aber nicht. Bei Phishing wird keine Schadsoftware eingeschleust, sondern ein Mensch überzeugt, freiwillig Zugangsdaten einzugeben. Dagegen wirkt Zwei-Faktor-Anmeldung deutlich besser als jedes Schutzprogramm.
Kontakt
Sagen Sie kurz, was los ist.
Ein Anruf reicht meistens, um einzuschätzen, ob es ein Fünf-Minuten-Ding ist oder ein Projekt. Sagen Sie einfach, was los ist.
- Telefon
- +49 170 4883453
- Standort
- König IT.Services
Marius König
Oberste Gärten 15
61350 Bad Homburg vor der Höhe - Erreichbarkeit
- Mo–Fr 8–18 Uhr